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Autor Thema: Zeitungsbericht über Finn Ole, den Sohn von Moderatorin KRISTINA  (Gelesen 11338 mal)

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Offline KRISTINA

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Erschienen ist der nachfolgende Artikel im Stader Tageblatt am 31.03.2012


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Das Leben eines jungen Autisten

Fehlende Distanz

Finn Oles Verhalten passt so gar nicht in die Autismus-Schublade. Er begrüßt seinen Besucher freundlich, will neben ihm sitzen und eh sich der versieht, rutscht der Sechsjährige auf dessen Schoß. "Er ist distanzlos", sagt Mutter Kristina P. Das ist ein Problem, mit dem die Himmelpfortenerin zu kämpfen hat. Bei jedem Einkauf, bei jedem Besuch kann es sein, dass Finn Ole jeden x-beliebigen Menschen umarmt. "Jetzt hat er noch Welpenschutz, aber in ein paar Jahren wird es schwierig."
In ein paar Jahren - das ist die Zeitrechnung, mit der Familie P. aus Himmelpforten versucht, die Zukunft zu planen. Wird ihr Zweitgeborener, der in diesem Sommer in der Förderschule G für geistige Förderung eingeschult wird, in ein paar Jahren sprechen können? Wird er in ein paar Jahren sich so weit sozial verhalten können, dass er Wünsche anderer respektiert? Wird Finn Ole in ein paar mehr Jahren eigenständig leben können?
Der Junge war drei Jahre alt, da wiesen Erzieherinnen und Therapeuten die Eltern darauf hin, dass das Kind autistische Züge zeige. "Das war mir bis dahin nicht aufgefallen", so die Mutter. Er habe nach einer Infektionserkrankung mit 14 Monaten Entwicklungsverzögerunge n gezeigt. So konnte Finn erst mit anderthalb Jahren frei laufen und als Dreijähriger noch nicht richtig sprechen. Das kann er bis heute nicht.
Als die Eltern vor drei Jahren die Diagnose "frühkindlicher Autismus" hatten, waren sie zunächst erleichtert. Endlich hatte das Ungewöhnliche einen Namen. Und gleich machte sich Kristina P. im Internet auf die Suche nach Betroffenen, auch im Landkreis Stade. Aber sie fand sie nicht. "Ich kann doch nicht die Einzige mit einem solchen Kind sein?", sagte sie sich.
Vor zwei Jahren stieß sie dann über einen TAGEBLATT-Artikel auf eine betroffene Mutter in Buxtehude. So wurden Kontakte geknüpft und eine Selbsthilfegruppe gegründet. 23 Eltern seien zum ersten Elternabend erschienen. Sogar zwei Familien aus Himmelpforten hat Kristina P. so kennengelernt. Es sei beruhigend, endlich zu wissen, nicht alleine zu sein mit einem autistischen Kind. Doch eines bleibt bei Finn Ole ungewöhnlich: "Ich bin die einzige Mutter, deren Kind nicht spricht."
Es sind Ein-Silben-Sätze gekoppelt mit Gebärden, die Finn spricht: "Ma", "Da", "We" für "mein", "dein" und "weg". Mutter Kristina versteht ihr Kind, und Finn Ole versteht seine Mutter, die Kurse in Gebärdensprache besucht. "Stell die Schüssel zurück in die Schublade und nimm dir dann deine eigene" - der Junge tut's. "Solange es ihm in den Kram passt", sagt Kristina P. Ist dies nicht der Fall, kann Finn schon mal aggressiv werden.
Alleine kann der Sechsjährige nicht bleiben. "Er hat kein Gefahrenbewusstsein und braucht daher ständig jemanden, der ihn begleitet." Außerdem neigt er zum Weglaufen. "Da ist es gut, dass das Gelände der Förderschule komplett eingezäunt ist." Und Finn kann Schmerzen nicht lokalisieren, wenn er sie überhaupt wahrnimmt.
Das Umfeld reagiert nicht immer mit Verständnis auf Finn Oles Verhalten. "Die Kinder aus der Nachbarschaft dulden ihn. Sie wissen, dass er nicht spricht". Manchen sei Finn unheimlich. Kristina P. wünscht sich mehr Aufklärung über Autismus. Der Weltautismustag kann dazu beitragen. (sh)


« Letzte Änderung: 08. Juni 2019, 13:11:53 von KRISTINA »
LG Kris

Tjark, 2003, ADHS und autistische Merkmale
Finn Ole, Januar 2006, frühkindlicher Autist mit wenig Sprache
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Behinderte gibt es nur da, wo andere sind, die ihnen diesen Namen geben
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Offline Iris

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Zeitungsbericht über Finn Ole, den Sohn vom Moderatorin KRISTINA
« Antwort #1 am: 06. Februar 2014, 19:23:38 »
Das ist ein wirklich schöner Bericht. Hoffentlich lesen den auch viele.
LG
Iris


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Offline KRISTINA

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Zeitungsbericht über Finn Ole, den Sohn vom Moderatorin KRISTINA
« Antwort #2 am: 06. Februar 2014, 20:00:02 »
Mittlerweile hat sich ja einiges getan, auch wenn wir uns noch immer nicht ,wie mit normal entwickelten Kindern, miteinander unterhalten können.
 Doch die Wörter sind mehr geworden, die von ihm eingesetzten Gebärden auch und noch so einiges mehr.
 Der Artikel ist von März 2012.
 Es gibt noch einen von 2013, aber da wird dann das Kind von FamLor, hier aus dem Forum beschrieben
LG Kris

Tjark, 2003, ADHS und autistische Merkmale
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Offline Sanne39

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Zeitungsbericht über Finn Ole, den Sohn vom Moderatorin KRISTINA
« Antwort #3 am: 13. Oktober 2014, 08:48:51 »
Irgendwie ist mir der Beitrag durch die Lappen gegangen. Wirklich sehr gut beschrieben.  daumen
LG v. Sanne
Tochter, geb. 2000 ADS
Sohn, geb. 2002,  Diagnose: frühkindlicher Autismus, ADHS, nach Diagnoseaberkennung nun wieder Verdacht auf atypischen Autismus

Lange Zeit lebte ich so, wie andere mich haben wollten und war dann stets ein ganz "liebenswerter Mensch".
Heute lebe ich so, wie ich mich mag und bin seitdem eine "schwierige Person".

Offline KRISTINA

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Zeitungsbericht über Finn Ole, den Sohn von Moderatorin KRISTINA
« Antwort #4 am: 08. Juni 2019, 12:13:31 »
Der aktuellste Bericht vom 19.01.2018

Mutter aus Himmelpforten enttäuscht: Geistig behinderter Sohn (12) machte kaum Fortschritte an der Förderschule in Stade

tp. Himmelpforten. Desillusioniert blickt Kristina P. (43) aus Himmelpforten auf die bisherige Schullaufbahn ihres autistischen Sohnes Finn Ole (12) zurück. Nach den von Schwierigkeiten begleiteten fünfeinhalb Jahren, die der frühkindliche Autist mit geistiger Beeinträchtigung an der Förderschule in Stade-Ottenbeck verbrachte, sagt die Mutter: Die politisch gewollte Gleichbehandlung und Einbindung andersartiger Menschen im Sinne der Inklusion habe versagt. Und: "Autistische Kinder fallen an Förderschulen durchs Raster."

Bei Finn Ole ist früh Autismus diagnositziert worden. Autismus ist eine eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Autisten haben in der Regel Schwierigkeiten im sozialen Umgang, bei der sprachlichen und nicht-sprachlichen Verständigung, zeigen eingeschränkte Interessen mit stereotypen, sich wiederholenden Verhaltensweisen.

Bis vergangenes Jahr besuchte Finn Ole die "Förderschule geistige Entwicklung" in Stade, erhielt dort Einzelbetreuung durch einen qualifizierten Schulbegleiter. Dennoch habe es die Schule nicht geschafft, ihn entsprechend seiner Möglichkeiten vor allem in der sozialen Interaktion zu fördern, kritisiert Kristina P.

Die Mutter räumt krankheitsbedingte besondere Umstände ein, die auch die vierköpfige Familie im Alltag vor große Herausforderungen stelle: Finn Ole wird in besonderen, für ihn belastenden Ausnahmesituationen gegenüber seinen Mitmenschen gewalttätig. Auf Übergriffe gegenüber Mitschülern und Lehrern reagierte die Schule laut Kristina P. mehrfach mit Ordnungsmaßnahmen: Finn Ole durfte die Schule vorübergehend nicht besuchen. Nachdem im vergangenen Jahr der Schulbegleiter aufgrund hoher emotionaler Belastung kündigte und Finn Ole ohne Schulbegleitung nicht zum Unterricht erscheinen durfte, wurde letztlich die Beschulung Finn Oles in beiderseitigem Einverständnis beendet.
Inzwischen besucht Finn Ole die Tagesbildungsstätte in Selsingen (Landkreis Rotenburg), wo man sich auf die Betreuung autistischer Kinder spezialisiert hat.

Kristina P. ist enttäuscht von der Stader Förderschule: "Es ist ein Armutszeugnis, dass es eine Schule, die sich auf Kinder mit speziellem Förderbedarf einstellt, nicht schafft, auf diese Kinder individuell einzugehen." Zahlreiche Gespräche, auch mit der Beratungseinrichtung Autismus-Therapzentrum der "Börne" Stade, habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. "In den fünf Jahren hat er kaum etwas gelernt."

Ihr Sohn könne weder lesen noch schreiben und rechnen und spreche lediglich Ein- bis Zwei-Wort-Sätze. Der schwerbehinderte Junge trägt noch Windeln. Dabei wünscht sich Kristina P. - wie jede Mutter - nur das beste für ihr Kind. Denn auch Finn Ole habe gute Seiten und Begabungen: "Finn kann toll und ansteckend lachen, ist freundlich, aber auch körperlich stark und hat in seinem Rahmen eine besondere Auffassungsgabe." Er mag Puzzle, spielt gerne mit Lego-Steinen und Spielzeugautos, hilft seinem Vater beim handwerklichen Arbeiten und im Haushalt. Seit Kurzem kann er sich selbstständig ankleiden. "Und er will lernen", ist seine Mutter überzeugt.

Kristina P. ist Mitglied der Stader Selbsthilfegruppe Autismus und Moderatorin des Selbsthilfe-Forums Autismus-Forum Deutschland.

• Die Leiterin der Förderschule, Frauke T., möchte und darf aus Gründen des Persönlichkeits- und Datenschutzes keinen Kommentar zu dem Einzelfall geben.

http://www.autisten-kinder.com

"Bitte keine Schuldzuweisungen"
(tp). Stefanie M., Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Gesellschaft für Soziale Dienste, "Die Börne", die Trägerin des Autismus-Therapiezentrums ist, darf aus Datenschutzgründen keine Auskunft zu Einzelfällen erteilen. Sie rät in jedem Fall von Schuldzuweisungen ab. In der Regel würden sich alle Beteiligten von Familie über Schule bis Hilfseinrichtungen nach Kräften bemühen und trotzdem nicht selten an ihre Grenzen stoßen. M. verweist überdies auf hohe Kosten für die Betreuung der an Autismus erkrankten Menschen.
Umso mehr freut sich die "Börne"-Chefin über den positiven Förderbescheid über 120.000 Euro für Personalkostenförderung ambulanter Wohnbetreuung für Autisten. Die "Aktion Mensch" stellt das Geld noch in diesem Jahr für Projekte im Landkreis Stade zur Verfügung.
LG Kris

Tjark, 2003, ADHS und autistische Merkmale
Finn Ole, Januar 2006, frühkindlicher Autist mit wenig Sprache
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Offline Iris

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Zeitungsbericht über Finn Ole, den Sohn von Moderatorin KRISTINA
« Antwort #5 am: 09. Juni 2019, 19:04:50 »
Ja, da kann ich dich sehr gut verstehen. Ich war auch immer sehr enttäuscht, dass sich bei den Lehrern der alten Schule nichts tat. Jetzt sehe ich das ganz anders in der neuen Schule. Auch diese ist wieder eine für geistig behinderte Menschen, aber sie haben sich auf Autisten voll eingestellt. Das merke ich auch in seinem ganzen Wesen. Er fühlt sich einfach dort verstanden.
LG
Iris


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Eli, 1998, Asperger
Andi, 2001, frühkindlicher

Offline KRISTINA

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Zeitungsbericht über Finn Ole, den Sohn von Moderatorin KRISTINA
« Antwort #6 am: 10. Juni 2019, 10:09:19 »
Das haben wir ja jetzt in der Tabi, die haben echt Ahnung von Autisten und wenn die mal nicht weiter wissen holen sie sich selbstständig Hilfe von außen, von jemanden, der sich noch intensiver mit dem Thema beschäftigt. Das ist auch für uns ein großer Gewinn, denn auch wenn ich täglich mit Finn zusammen bin, so gehen mir die Rätsel auch nie aus, grade im Bereich Sprache.

Außerdem ist es wieder interessant zu sehen, dass es doch immer irgendwie geht und nicht, diese beliebte Aussage: geht nicht, im Raum steht
LG Kris

Tjark, 2003, ADHS und autistische Merkmale
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